Aufruf als pdf: 8. mai 11 aufruf

WER NICHT FEIERT, WIRD WIEDER VERLIEREN!

Befreiungsparade zum 08. Mai

„In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 unterzeichneten in Berlin-Karlshorst die Oberkommandierenden der Wehrmacht und der drei Teilstreitkrä e die bedingungslose Kapitulation. Die Kapitulationsurkunde wurde von den Vertretern der vier Alliierten entgegengenommen. Der Akt der Kapitulation wurde kurz und nüchtern, ohne jegliche Zeremonie durchgeführt. Mit diesem historischen Schritt war der Zweite Weltkrieg in Europa beendet: Die nationalsozialistische Herrscha in Deutschland und Europa war endgültig beseitigt.“
( deutsch-russisches Kapitulationsmuseum Karlshorst )

GAME OVER KRAUTS
FÜR ANTIFASCHISTISCHES GEDENKEN
GEGEN DEUTSCHE LEITKULTUR
„Deutschland schafft sich ab“, diese in letzter Zeit oft rezitierte Aussage bedeutet nicht etwa, dass die berühmt berüchtigte Punkband „Slime“ mit ihrer Forderung „Deutschland muss sterben, damit wir leben können“ im gesellschaftlichen Diskurs angekommen ist. Was heißen würde, dass Deutschland zerschlagen wird und lang gehegte Träume vaterlandsloser Linksradikale*r endlich in Erfüllung gehen. Nein, das ist leider der Buchtitel des neuen deutschen Bestsellers schlechthin.

Der „neue deutsche Messias“ Thilo Sarrazin, SPD-Mitglied und ehemaliger Berliner Finanzsenator hat ganze Arbeit geleistet. In reaktionärer Manier hat er Halbwahrheiten, Klischees, krude Statistiken und seine eigene paradoxe Überzeugung zu einem rechtspopulistischen Werk zusammengespachtelt. In schlimmster Groupieattitüde werden seine Propagandashows gerade zu überrannt. Die aufgestellten Thesen werden im bürgerlichen Spektrum aufgeregt diskutiert.

Dass dieses Pamphlet das meistverkaufte Politik-Sachbuch eines deutschen Autors des Jahrzehnts ist, verrät viel über die Befindlichkeiten der Republik. Diese trifft Sarazzin scheinbar, wenn er gegen gesellschaftlich deklassierte Randgruppen herzieht, ein „Judengen“ herbei halluziniert, Türken eine „Tradtion von Inzucht und Behinderungen“ unterstellt, folgend den Verfall deutscher Werte anprangert. Letztlich prophezeit er als warnende Stimme den Untergang Deutschlands, ja viel schlimmer der vielbeschworenen deutschen Leitkultur.

„DIE VERNICHTUNG DES NAZISMUS MIT SEINEN WURZELN IST UNSERE LOSUNG“

Was deutsche Leitkultur anrichten kann, wenn sie erst einmal entfesselt ist, spürten Millionen von Menschen am eigenen Leib. Mit der Machtübernahme der NSDAP begann sich die deutsche Leitkultur über die ganze Welt auszubreiten. Angefangen mit dem Terror im Inland; der Reichspogromnacht, der Zerschlagung der Arbeiter*innenbewegung, den Erlässen gegen Juden und Jüdinnen und sonstigen ethnischen, religiösen, sozialen und politischen Minderheiten. Dies brachte endlich die lang ersehnte Ruhe und Ordnung ins Reich. Im Zuge dessen folgte die Aneignung großer Teile der damaligen Tschechoslowakei, der Überfall auf Polen, die Blitzkriege, Stalingrad und unzählige Deportationen und Liquidierungen politischer Gegner, Homosexueller, Roma und Sinti. Vernichtungslager wie Auschwitz, Buchenwald, Dachau und viele mehr waren der perfide Gipfel der industriell perfektionierten Vernichtungsmaschinerie. Vom eliminatorischen Antisemitismus angetrieben, wurden an die sechs Millionen Juden und Jüdinnen weltweit ermordet.

Den alliierten Armeen, der Sowjetunion, Großbritannien, USA und Frankreich sei gedankt, dass sie diesen deutschen Koloss in die Knie gezwungen und auf die totale Kapitulation bestanden haben.

Old Shit – New Style
Mit dem 8. Mai 1945 endete offiziell der 2. Weltkrieg und der systematischen Ausrottung von Jüd_innen wurde Einhalt geboten. Der Nationalsozialismus kam jedoch nicht über Nacht mit Adolf Hitler und ist nicht mit dem Kriegsende in einem schwarzen Loch verschwunden. Getreu dem Schwur von Buchenwald, den Nazismus mit seinen Wurzeln zu vernichten, ist es wichtig zu sehen, wo der deutsche Nationalsozialismus, mit Auschwitz als Höhepunkt an menschlicher Perversion, seinen Anfang genommen hat. Im europäischen Kontext gab es schon lange vor 1933 den Hang zu faschistischen autoritären Diktaturen. Benito Mussolini gelang es 1922 mit seinem Marsch auf Rom, in Italien die Macht zu übernehmen und die politische Opposition auszuschalten. Mit diesem überragenden Erfolg machte er den Faschismus erstmals salonfähig. Gemeinsam mit dem deutschen NS-Regime unterstützen sie Franco bei der erfolgreichen Machtergreifung. Im Sinne des Kampfes gegen den Bolschewismus konnte sich die deutsche Luftwaffe austoben. In Guernica(1) und ganz Spanien spürten sie nachhaltig den deutschen Imperialismus, der sich nach der „Schmach von Versailles“ geradezu entfesselte. Angeheizt von deutschen Eliten, wurde voller Euphorie der totale Krieg erklärt. Nach der Kapitulation wurde die freiheitlich demokratische Grundordnung ausgerufen und die Entnazifizierung verkündet. Das war allenfalls ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Mit Gründung der Bundesrepublik baute die ehemalige Gestapo den neuen Geheimdienst auf und die Richter blieben die gleichen. Die „neuen“ alten Großkapitalist_innen, die Priester und Bischöfe, die Psychiater, die Pädagog_innen, die Intellektuellen, die Bäcker_innen um die Ecke, die Blumenverkäufer_innen, all jene haben von der „Shoa“ gewusst. Sie haben mitgemacht und demutsvoll am 8. Mai den Kopf gesenkt und die Schuld auf Hitler geschoben. Die Herren und Damen Krupp, Stauffenberg, Speer, Schleyer und wie sie alle hießen, hatten aber ähnlich viel Dreck am Stecken, wie der Typ mit dem kleinen Schnauzer und großen Komplexen.

Im Sinne der Profitmaximierung wurde systemimmanent an Gewinn gedacht, die Zwangsarbeiter_innen als geschenkte Arbeitskraft begrüßt, direkt in KZ´s produziert, eifrig Autobahnen gebaut, fleißig Waffen an alle Parteien verkauft und Giftgas in Massen produziert. Im Kleinen wurde die Wohnung des ehemaligen Nachbarn bezogen oder zumindest ausgeplündert und nach oben gebuckelt und nach unten getreten. Innerhalb der Volksgemeinschaft verzeiht man sich dennoch schnell untereinander. Der alte Feind blieb der neue Feind, gemeinsam gegen den Bolschewismus.

Wer nicht feiert, wird wieder verlieren!
Entgegen der bürgerlichen Geschichtsschreibung, sagen wir klar, der Kapitalismus war und ist das Problem. Es ist dieses System, das die Mechanismen von Unterdrückung, Konkurrenz, Leistungsdruck und sozialer Ausgrenzung am Leben erhält, immer wieder auf´s neue reproduziert und zum Erstarken faschistischer Ideologien und Strukturen beiträgt. Deswegen gehört Antifaschismus radikal gedacht und der Verfassungsschutz samt der weltfremden Totalitarismustheorie, die Antifaschist_innen mit Neonazis gleichsetzt, auf den Müllhaufen der Geschichte.

Am 8. Mai laden wir alle Antifaschist_innen ein, mit uns gemeinsam den 66.Jahrestag der Kapitulation Nazideutschlands zu feiern. Gegen den deutsche Opfermythos und revisionistische Geschichtsverdrehung. Wir sagen klar, Deutschland ist, war und bleibt scheiße. Aus diesem Grund haben wir keine Lust „Demokraten“ eine Plattform zu bieten, um die freiheitliche Grundordnung abzufeiern und irgendwas von Anstand oder Staatsantifaschismus zu palavern. Vielmehr wollen wir stattdessen unsere pure Freude über die Niederlage der Wehrmacht, über Goebbels Suizid, die zerbombte Frauenkirche und Eichmanns Hinrichtung zelebrieren. Wir wollen den „deutschen Boden“ beben sehen vor tanzenden Füßen, damit die Plattenbauten und Luxusvillen einstürzen und aus den Trümmern eine neue Gesellschaft aufersteht.

Kommt heraus zum 8. Mai. 14 Uhr S-Ostkreuz.

(1) Guernica: Am 26. April 1937 bombardierten deutsche Soldaten der „Legion Condor“ die spanische Stadt Guernica. Es war der erste Auslandseinsatz der neuen NS-Reichsluftwaffe und der erste vernichtende Luftangriff auf ein ziviles Flächenziel in der Militärgeschichte.

08. Mai Bündnis Karlshorst (Stand April 2011)

Unterstützer*innen:
- Unabhängiges Jugendzentrum Karlshorst (UJZ)
- Sozialistische Jugend – Die Falken KV Lichtenberg
- Sozialistische Jugend – Die Falken LV Berlin